Zeitzeuge

Am 10.02.2011 besuchte uns im Rahmen meiner Besonderen Lernleistung „Grenzerfahrungen–Leben an der deutsch-deutschen Grenze“ der Zeitzeuge Michael Verleih im Geschichtsunterricht.
Zunächst einmal zu seiner Person: Michael Verleih wurde 1951 in Berlin geboren und war von Beruf Physiker. 1983 sprach er sich, in von der Staatssicherheit beschlagnahmten Manuskripten, für die Wiedervereinigung und Neutralisierung Deutschlands bis zum Jahr 2000 als Alternative zur Stationierung nuklearer Raketen aus. Wegen "staatsfeindlicher Hetze" wurde er daraufhin im Oktober 1983 verhaftet und zu einer Freiheitstrafe von vier Jahren verurteilt, die er zunächst in Berlin-Hohenschönhausen und dann im Zuchthaus Brandenburg verbringen musste. Der Häftlingsfreikauf führte im Juli 1985 zu seiner Entlassung in die Bundesrepublik.
Er berichtete uns von sich selbst und seinen Erfahrungen in der DDR, sowohl vor als auch während der Haft. Und auch von den Erfahrungen von Freunden und Bekannten. Er las uns auch einen Ausschnitt aus einem Buch vor, welches er selbst geschrieben hat. Dieses Buch thematisiert hauptsächlich seinen Gefängnisaufenthalt im Zuchthaus Brandenburg. Anschaulich wurde hier die Angst der Inhaftierten deutlich und die größtenteils menschenunwürdige Behandlung von Personen, die lediglich eine andere Meinung vertraten, als die Regierung. Herr Verleih erklärte uns, dass es wie selbstverständlich war, dass man sie zusammen mit Mördern einsperrte. Über diese Zeit sprach er auch in der folgenden Befragung durch uns Schüler am häufigsten. Er beantwortete alle Fragen, die zu den Haftbedingungen, ebenso wie die zu den Mitgefangenen und dem Essen im Gefängnis. Wir erhielten allerdings auch einen Einblick in das Denken in der DDR und wie die Bespitzelung funktionierte. Zudem berichtete er von Schule und Aufstiegsmöglichkeiten in der DDR. Wir erfuhren, dass man nicht so einfach auf ein Gymnasium kam, wie wir damals nach der 10 Klasse. Die Wahl fiel nämlich nicht auf gute Schüler, sondern auf Schüler mit einen sauberen Vergangenheit und nach Möglichkeit keiner auffälligen eigenen Meinung, die der Regierung wiedersprach.
Das was wir bisher nur in Geschichtsbüchern gelernt hatten wurde durch den Besuch realer. Nach 90 Minuten war aber auch klar, dass dieser Teil der deutschen Geschichte viel zu umfangreich für 2 Schulstunden ist. Dennoch, der Zeitzeugenbesuch machte die geschichtlichen Tatsachen für uns greifbarer und brachte sie ein Stück weit näher an uns heran.

Carina Euler
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