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Frühjahr 2010 Europa. Es gibt kaum ein anderes Wort, das so viele Assoziationen hervorruft, so viele Emotionen freisetzt. Von verhaltener Begeisterung über Gleichgültigkeit bis zur konsequenten Ablehnung reicht die Geisteshaltung der betroffenen Bürgerinnen und Bürger.
Von Bevormundung und Bürokratie aus dem fernen von separatistischen Tendenzen bedrohten Brüssel ist stets die Rede, von Subventionen, die in unsichtbaren Kanälen verschwänden und den Steuerzahler schröpften. Oder von dem „Teuro”, der bei vielen die liebevolle Erinnerung an die gute alte D-Mark hervorruft. Gerade in Finanz- und Wirtschaftskrisenzeiten ist vielfach Verunsicherung selbst bei den Anhänger des Europagedanken zu beobachten.
Verhalten ist die Begeisterung, wenn es um die Freizügigkeit in der EU geht. Von vielen zwar als Chance begriffen, dient sie oft als Drohkulisse, insbesondere wenn es um die EU-Osterweiterung geht. Lohndumping, Scheinwerkverträge, Aushöhlung von Sozialstandards, so die Begriffe im Zusammenhang mit diesem Phänomen.
Ängste, die es ernst zu nehmen gilt.
Und doch trügen wie Wirtschaftsforscher konstatieren, entgegen dem Empfinden vieler Bundesbürger, die Investitionen deutscher Unternehmen im EU-Ausland zur Sicherung von Arbeitsplätzen im Inland bei.
Wahrlich: Europa polarisiert. Europa vermag es noch nicht, seine Bürger zu begeistern.
Bei all der berechtigten und unberechtigten Euroskepsis lässt sich aber zumindest für den Bildungsbereich konstatieren: Europa schafft neue Möglichkeiten für die bildungshungrige Jugend des Kontinents.
Sei es der (oft kritisierte) Bologna-Prozess, der uns mit neuen Studiengängen mit englischen Bezeichnungen, die man bislang im Zusammenhang mit Cambridge und amerikanischen Seifenopern kannte (Master und Bachelor oder Baccelarius), bescherte, oder Förderprogramme der EU wie Comenius- Lebenslanges Lernen und Leonardo, der Horizont der Möglichkeiten wurde weiter, so auch die Chancen der Begegnung mit anderen Bildungstraditionen und Kulturen, sei es im Rahmen von Austauschmaßnahmen oder eines Studiums im Ausland. Dabei war und ist die Europaschule Kinzig - Schule stets ein verlässlicher Partner.
Unsere Schule unterhält seit mehreren Jahren schulpartnerschaftliche Beziehungen zu französischen, polnischen und ungarischen Bildungseinrichtungen und beteiligt sich an EU – Projekten, unter anderem im Rahmen der EU – Programme „Comenius – Lebenslanges Lernen” und „Leonardo”, aber auch an Förderprogrammen des Deutsch – Französischen wie des Deutsch – Polnischen Jugendwerks.
Dabei liegt es der Kinzig-Schule sehr viel daran, den Schülern passende Angebote zu unterbreiten, und dies nicht nur über die jährlich Anfang Mai stattfindende Europawochen – Veranstaltungsreihe an der Kinzig – Schule.
Lyceé Professionnel „Leloup Bouhier” in der westfranzösischen Stadt Nantes (www.leloup-bouhier-lp44.ac-nantes.fr) heißt die richtige Adresse, wenn sich angehende Fremdsprachensekretärinnen und -sekretäre - ob individuell und in Gruppen – ihre Französischkenntnisse im Beruf erweitern wollen. Das Projekt unter der Leitung von Studienrätin Josefine Wolf und Fachlehrerin Gaby Döppner bietet nicht nur Schülerinnen und Schülern unserer Schule die Möglichkeit, ein Sommerpraktikum in Frankreich zu absolvieren, sondern setzt bewusst auf den kulturellen und sprachlichen Austausch: Schüler von der Partnerschule aus Nantes absolvieren ihre Praktika im Gegenzug bei Firmen und Institionen der öffentlichen Hand im Kinzigtal und werden seit dem Schuljahr 2008/09 in Form eines einwöchigen Vorbereitungsprogramms, das eine enge Zusammenarbeit mit den Fremdsprachensekretärinnen und -sekretären der Kinzig - Schule (erstes Ausbildungsjahr) beinhaltet, in die örtlichen Strukturen eingeführt.
Auf eine lange Geschichte blickt die Leonardo – Zusamenarbeit zwischen der Technikerschule bzw. der Fachoberschule der Kinzig - Schule und dem TISZK Berufsbildungszentrum Buda(pest) - Süd Mechatronikai Gimnázium és Szakközépiskola (Gymnasium und Fachoberschule, www.delbudatiszk.hu beziehungsw. www.mechatronika.hu) zurück, die den Schülerinnen und Schülern ermöglicht, in örtlichen Betrieben praktische Erfahrungen sammeln. Deutscher Projektkoordinator ist Oberstudienrat Günter Nix.
Eine weitere Verstärkung des Schulaußenprofils erfuhr die Kinzig-Schule bereits zweimal durch die europäische Zusammenarbeit von Stuckateuren (Berufsschule) im Leonardo - Rahmen unter der Betreuung von Fachkoordinator Erich Fröhlich.
Auch am Beruflichen Gymnasium werden erfolgreiche Projekte wie „Wirtschaft am Markt” von Studienrat Guido Lomb, die Schreib – und journalistische Projekte von u. a. Studienrat Holger Bischoff, um nur einige zu nennen, durch partnerschaftliche Aktivitäten ergänzt. So bestehen seit einigen Jahren schulpartnerschaftliche Beziehungen zu Bildungseinrichtun-gen in Jarocin, der Partnerstadt Schlüchterns. Eine der Aktivitäten, das Schulpartnerschaftsprojekt mit dem Weiterführenden Schulzentrum Nr. 1 (ZSP nr 1, www.zsp1jarocin.edu.pl), erfährt in den Schuljahren 2009/10 und 2010/11 die vierte Projektphase. In deren Rahmen untersuchen Schülerinnen und Schüler beider Schulen Aspekte, die beide Länder trennen und verbinden, diskutieren diese im gemeinsamen Prozess und entwickeln kreative Lösungen (Arbeitstitel: Über Trennendes und Verbindendes. Nachbarn und Partner der Gegenwart und Zukunft). Nähere Information erhalten Sie unter dem Menüpunkt „Polenprojekt” (auf www.kinzig-schule.de.). Geplant ist die Intensivierung der Beziehungen zu den osteuropäischen Partnerländern durch die Vertiefung bereits bestehender freundschaftlicher Beziehungen zu einer Partnerschule in der slowakischen Oberzips (Gymnázium Spišská Stará Ves - Zipser Altenburg, www.gsnpssv.edu.sk). Denn die Auseinandersetzung mit Europa hat nicht allein wegen der eingangs erwähnten Gründe ihre Berechtigung. Wie der langjährige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher am Tag der Deutschen Einheit 2007 treffend formulierte, es wachse eine Generation heran, die sich nicht für die trennende Vergangenheit, sondern für die gemeinsame Zukunft interessiere. Für eine gemeinsame Zukunft in Deutschland und Europa.
Richard Guth, StR Projektleiter Partnerschaftsprojekt Polen
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